Delegiertenversammlung Caritas Schweiz vom Mittwoch 15. Mai 2019 in Luzern

I)                    Statuarischer Teil

Nach der  freundlichen Begrüssung führte die Präsidentin Frau Wallimann zügig durch die DV. Wie immer hatte der Anlass informativen Charakter. Die behandelten Geschäfte wurden widerspruchslos durchgewinkt.
Der erste Schwerpunkt der Versammlung bildete
der Jahresbericht 2018 des Direktors Hugo Fasel:
Aufs Ganze gesehen ist Caritas Schweiz

  • mit der Strategie 2020 gut auf Kurs,

  • hat als Grundlage gesunde Finanzen,

  • hat eine Führungsrolle im Bereich Armut,

  • konnte vom SEM einen Grossauftrag „Rechtsberatung“ erhalten,

  • ist daran „Symplify our Caritas“.

Im Bereich Politik markiert Caritas Schweiz lebhafte Präsenz in Bundesbern mit verschiedenen Interventionen. Hilfe bei Projekten ist wichtig, aber auch die Ursachenbekämpfung von Armut/ Hunger/ Migration und damit verbunden kompetente politische Arbeit, um Rahmenbedingungen in der Gesellschaft mitzugestalten.
Die Grundlagenarbeit zu relevanten Themen und die Ausarbeitung von Positionspapieren ist eine Spezialität von Caritas Schweiz. Sie ist die einzige Organisation, welche entwicklungspolitische Grundlagenarbeit leistet. Sie ist auch das einzige Hilfswerk, welches noch eine Pressekonferenz gibt.
Im Bereich internationale Zusammenarbeit ist Caritas aktiv vor Ort an den Brennpunkten der Welt in Not  (Mali, Kenia, Brasilien, Bolivien, Venezuela, Schulen in Tibet, Syrien und Libanon, Bangladesch). Die Folgen des Klimawandels bringen weltweit immer mehr Menschen in existenzielle Not, weshalb Klimaschutz und Armutsbekämpfung untrennbar zusammen gehören. Die Folgen des Klimawandels, von Naturkatastrophen und Umweltschäden stehen seit Jahren bei den  Fluchtursachen an erster Stelle. Es ist Caritas 2018 gelungen, im Bereich „Klima“ mit Uno-Organisationen einen Rahmenvertrag abzuschliessen für eine wirksamere Arbeit am Ort. Klimaflüchtlinge werden auch im Asylrecht der Schweiz noch nicht als solche anerkannt. Vergangenes Jahr unterstützte Caritas Schweiz rund 24’000 Menschen dabei, sich für ihre Existenzsicherung den Folgen des Klimawandels anzupassen.

Heutzutage fallen den Hilfswerken mögliche Einsatzprojekte nicht einfach mehr zu, man muss sich dafür bewerben. Da prüft die EU immer auch die Reserven eines Hilfswerks. Caritas akzeptiert dabei internationale Standards. Jede international tätige Landesgesellschaft muss für Einsatzprojekte
mind. 2 Mio. investieren können für ihre Niederlassung, das Arbeitsvolumen und den andauernden Einsatz der Mitwirkenden.

Weitere wichtige Arbeitsbereiche der Caritas sind die bekannte Katastrophenhilfe, Fachberatung/Schuldenberatung, Kommunikation und Marketing, nationale und internationale Führungsausbildung und Personalführung, Finanzen und Administration. (Auf diese wird hier nicht näher eingegangen.) 

Ergänzungswahlen: In den Vorstand gewählt wurden Andreas Brun-Federer von Winznau als Vertreter des Bistums Basel, sowie Hans-Jörg Ruppen von Gampel und Dr. Benno Schnüriger als Vorstandsmitglieder ohne Mandat.

II)                  Thematischer Teil:

Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld: Herausforderungen für die Caritas

Präsentation: Martin Flügel und Chantal Cornaz

Präsentation: Martin Flügel und Chantal Cornaz

Es wird eine neue Strategie2025 erarbeitet aufgrund einer Umfeldanalyse und neuer Herausforderungen mit dem Ziel Armut zu verhindern, zu bekämpfen, zu lindern mit konkretem gesellschaftspolitischem Engagement.

Chancen: Die wesentlichen Arbeitsbereiche von Caritas Schweiz sind topaktuell und spielen im In- und Ausland eine grosse Rolle. Daher kann sich Caritas Schweiz auf dem Markt der Bewerbungen bei Mehrausschreibungen gut positionieren.
Die Hilfswerke-Landschaft und der Spendenmarkt  verändern sich  laufend. Caritas ist darum aktiv geworden im Engagement um Legate. (Eltern haben heute weniger Kinder und können darum testamentarisch z.B. auch ein Legat  zu Gunsten der Caritas vorsehen.)
Die politische Grosswetterlage mit den Parteien hat zu neuen, gewechselten Mehrheiten geführt.
Die fortschreitende Individualisierung in der Gesellschaft erfordert neue Wertdiskussionen. Ältere/bisherige wertstiftende Organisationen verlieren an Bedeutung, neue sind gefragt.
Das Engagement vor allem der jungen Generation fürs Klima, die Freiwilligenarbeit vieler älterer Menschen und das politische Engagement nehmen zu.
Die wachsende Digitalisierung bringt neue Chancen, neue Dienstleistungen, neue Mittel, ruft nach Effizienzsteigerung und der Entwicklung neuer Instrumente.

 
Risiken:

  • International sind Populismus und Nationalismus im Aufwind und stellen christliche Grundwerte z.B. die Solidarität in Frage.

  • Die Entwicklungszusammenarbeit ist für Jüngere nicht mehr so bedeutsam wie früher.

  • Im Umbruch der Medienlandschaft sind neue Medien im Gebrauch; es sind grosse Anstrengungen nötig, um mit ihnen neue Wege zu den Menschen zu finden.

  • Das Tempo aller Veränderungen erzeugt einen Anpassungsdruck.

  • Die Marke „christliches Hilfswerk“  ist in Bedrängnis geraten:

  • Image und Ruf leiden wegen Skandalen innerhalb von Hilfswerken.

  • Auch die grossen, weltweiten Skandale der kath. Kirche beeinträchtigen die Spenden.

  • Es gibt eine allgemeine Tendenz für weniger Goodwill zu Hilfswerken.

  • Medien hinterfragen die Arbeit der Caritas kritisch, manchmal einseitig.

 
Finanzen: Sie werden bewegt durch viele Faktoren:

  • Der Einbruch der Finanzmärkte und Rezessionsereignisse drücken auf Geldgeber und Projekte.

  • In allen Gremien  ist eine steigende Konkurrenz um finanzielle Mittel feststellbar. Es gibt mehr und neue Konkurrenten als bisher, auch aus dem Ausland zu uns kommend.

  • Viele Spender sind älter.  Wie können Jüngere zum Spenden motiviert werden?

  • Viele Menschen spenden lieber konzentriert für Katastrophenfälle, weniger für die Grundlagenarbeit oder die Entwicklung des ganzen Unternehmens. Aber es gibt doch auch viele Spender, die hören wollen, wie die Caritas denkt; für sie muss sie sich informativ darstellen. Die Kommunikation wurde über Jahre sorgfältig aufgebaut und in den letzten Jahren mit  politischen Elementen ergänzt.

  • Grossaufträge  zu erhalten ist sehr schön; es fällt damit aber auch ein Klumpen-Risiko  an, das beim Wegfall eines grossen Mandates Probleme verursachen kann.

 
Personal:

Es stellen sich Fragen, ob sich genügend kompetente Kandidaten für Mitarbeitende, Leitung usw. auf dem Markt anbieten. Ist auf dem Stellenmarkt genügend Interesse und Identifikation mit dem Caritas-Hilfswerk zu finden? Und wie weit können Lohnansprüche berücksichtigt werden?

Bei Caritas Schweiz ist die christliche Grundhaltung Angelpunkt ihres Engagements für Menschen in Not; ihre Grundsatzerklärung ist der Orientierungspunkt.

Für den Bericht:
Eggersriet, 18.05.2019 / Martha Daugaard