Armut ist auch hier zu Hause

Caritas beider Basel stillt den Hunger zum halben Preis

Von Daniel Aenishänslin, aus Basler Zeitung, 29. Dezember 2018

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«Ohne Solidarität funktioniert eine Gesellschaft nicht.»
Hans-Ueli Gubser (links) und Domenico Sposato im Caritas-Markt an der Ochsengasse.
Foto Pino Covino

Basel. «Es ist eine intrinsische Motivation», beschreibt Domenico Sposato, Geschäftsleiter von Caritas beider Basel, «es geht mir darum, mich für bestimmte Werte einzusetzen, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.» Sein Ziel ist es, in Armut geratene Baselbieter und Basler zu unterstützen. Sein Verein tut das etwa mit dem Caritas-Markt in der Basler Ochsengasse. Durchschnittlich kaufen hier 160 Leute pro Tag ein.

«Grundsätzlich ist es unser Ziel, 50 Prozent günstiger zu sein als der offene Detailhandel», sagt Marktleiter Urs Möschli, «unsere Waren sind einwandfrei». Seit 15 Jahren kümmert sich Möschli um das Geschäft, in dem es weder Alkohol noch Tabak zu kaufen gibt. Hier kennt er jeden. Auch Hans-Ueli Gubser, Ehrenpräsident des Oberrats der schweizerischen Vinzenzgesellschaft, der heute Einkaufsgutscheine verteilt. Zum Einkauf berechtigen die Caritas-Markt-Karte, der Familienpass Plus und die KulturLegi-Karte.

Der Verein bietet zudem auch ökumenische Sozialberatung, Online-Beratung, einen Secondhand-Laden und die KulturLegi, die den Eintritt für schweizweit 2500 Kulturangebote um bis zu 70 Prozent senkt. Mit dem Patenschaftsprojekt  «mit mir» für benachteiligte Kinder gewann Caritas beider Basel kürzlich den Baselbieter Freiwilligenpreis. Elf Mitarbeitende teilen sich 610 Stellenprozent.

«Wie Tiere im Zoo»
Caritas beider Basel ging 2005 aus dem 1973 gegründeten Verein Caritas Basel hervor. Für den Betrieb benötigt er jährlich rund eine Million Franken. Sie stammen aus Legaten, Spenden, projektbezogenen Beiträgen aus Stiftungen sowie von der römisch-katholischen Kirche. Ab 2019 leistet Basel-Stadt einen Staatsbeitrag an die KulturLegi.
Aufs Foto will keiner der Kunden. Das müssen Domenico Sposato und Hans-Ueli Gubser übernehmen. Sozialarbeiterin Barbara Hellmüller erklärt: «Die Leute schämen sich. Sie wollen nicht angegafft werden wie Tiere im Zoo.» In der Regel sei ihre Situation nicht selbst verschuldet. Vorausgegangen sei beispielsweise eine Firmenpleite. Hat man keine besonders gute Ausbildung, werde es plötzlich «schwierig, wieder Fuss zu fassen». Der Caritas-Markt bietet drei Personen in dieser Lebenslage für maximal sechs Monate eine Stelle.

In der Schweiz leben 615 000 Menschen in Armut. «Sie können kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen», sagt Hellmüller, «denn sie können sich den Kinobesuch oder den Kaffee mit Freunden nicht leisten.» Im Baselbiet lag 2016 das Einkommen von 2,9 Prozent der Bevölkerung unter dem Existenzminimum (8298 Personen), in Basel-Stadt von 6,9 Prozent (12004 Personen). Am häufigsten sind Kinder und Jugendliche betroffen.

«Es braucht uns», ist Sposato überzeugt. «Ohne Solidarität funktioniert eine Gesellschaft nicht. Ohne Solidarität beginnt der soziale Frieden zu bröckeln.»

 www.caritas-beider-basel.ch