Eineltern Alltag

Tage wie Manager, Einkommen mangelhaft

Am Arbeitsplatz den Kopf beieinander haben. Immer wieder der Blick aufs Handy...hat eines der Kinder ein Problem? Dann auf dem Heimweg das kleinere Kind bei der Tagesmutter abholen, schnell noch einkaufen. Immer die Sonderangebote im Auge behalten. Abendessen kochen, Geschirr in die Maschine, den Kindern bei den Aufgaben helfen, spielen, zuhören, trösten. Schmutzwäsche in die Maschine. Gute Nacht sagen. Bügeln. Küche putzen. Wäsche aufhängen. Rechnungen kontrollieren und das Bankkonto. Blick in die Zeitung. Ins Bett- es geht gegen Mitternacht, vor 6 klingelt der Wecker. So sehen Tage vieler Einelternfamilien aus.

Alleinerziehende arbeiten viel: Mütter mit Kindern unter sechs Jahren im Schnitt 17 Wochenstunden Erwerbsarbeit und 54 Stunden Haus- und Familienarbeit: Zusammen über 70 Stunden! Doch viele sind trotzdem arm. Die Alimente kommen oft nicht regelmässig und/oder sind nicht ausreichend. Dazu kommt in der Schweiz das Problem mit einer bezahlbaren Kinderbetreuung. Darum arbeiten alleinerziehende Mütter meist Teilzeit, im Stundenlohn oder unregelmässig. Armut inklusive für jede sechste Eineltern-Familie!

Alleinerziehend und arm

In der Schweiz gibt es 200 000 Eineltern-Haushalte (jeder sechste). 90 Prozent der Kinder wohnen bei der Mutter. Jedes achte Kind lebt in einer Einelternfamilie. Diese Kinder sind besonders intensiv von Armut betroffen, denn die Armutsquote der Alleinerziehenden ist verglichen mit der Gesamtbevölkerung mehr als doppelt so hoch. Darum machen sie auch 20 Prozent der Sozialhilfe-Fälle aus. Meistens sparen die Mütter bei sich selbst. Und trotzdem sind ihre Kinder benachteiligt. Sie haben weniger Zugang zu früher Förderung, das beeinträchtigt ihre Entwicklung. Ferien sind selten. Auch Geschenke für Kindergeburtstage können ein Problem sein.

Das macht Kinder dann zu Aussenseitern. Dazu kommt der Stress: So werden nicht wenige vor bei Schulausflügen ‚krank’, weil sie wissen, dass es der Mutter an Geld fehlt. Auch der Stress, die Ängste und die Überforderung der Mütter hat Folgen: Alleinerziehende leiden doppelt so häufig an Depressionen wie verheiratete.

 Übrigens: Studien zeigen, dass nicht die Einelternfamilie das Problem ist. Es ist die daraus resultierende Armut. Diese ist in der Schweiz auch ein Problem der Politik. So erhalten Halbwaisen regelmässig ihre Rente. Kinder getrennter Eltern sind da schlechter gestellt! Und dies trotz UN-Kinderschutzkonvention, die es verbietet, dass Kinder wegen des Zivilstands der Eltern benachteiligt werden. Helfen wir doch, dass 2019 auch für diese Familien ein gutes Jahr wird.

St. Gallen, im Dezember 2018 von Christiane Faschon