Vater und Mutter ehren

Die Vinzenzarbeit hat sich immer auch für die Generationensorge eingesetzt. Viele ihrer karitativen Organisationen engagieren sich für alte Menschen. Da ist das Gebot, die Eltern zu ehren, wichtig. Es steht bereits bei den so genannten Zehn Geboten im 2. Buch Mose und gilt für jeden Menschen in jeder Situation. Doch es wird oft missverstanden: Als Befehl an die Kinder, ihren Eltern zu gehorchen und sie später im Alter ohne Wenn und Aber zu pflegen (dies gilt besonders für Töchter). Die Kirche hat diesen Missverständnissen nicht selten Vorschub geleistet.

Doch was steht genau in der Bibel? Sie spricht weder von Gehorsam noch von Liebe. Sie ist realistisch; manchen Eltern kann und soll man nicht gehorchen, weil sie Forderungen gegen jeden Respekt, die körperliche und seelische Integrität der Kinder stellen. Und: Liebe lässt sich nicht befehlen.

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Was genannt wird ist das Ehren. Das hebräische Wort bedeutet, reich, gewichtig, schwer sein, Bedeutung haben.
„Ehren“ meint also, dass etwas Gewicht hat:

  • Eltern haben Schwierigkeiten in ihrem Leben getragen, auch mit und für die Kinder. Dies sollen die Kinder würdigen.

  • Eltern spielen für das Leben der Kinder eine massgebliche Rolle. Sie haben sie im Positiven wie Negativen massiv beeinflusst. Sie haben viel für die Kinder getan. Dies gilt es anzuerkennen, sich damit auseinander zu setzen. Vielleicht auch sich auf den Weg des Verzeihens zu machen. Denn neben dem Auftrag, die Eltern zu ehren, sieht Bibel auch die Problematik gewisser Eltern: „Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht,dass sie nicht scheu werden.“ (Kol 3,21) oder „... ihr Väter, reizet eureKinder nicht zum Zorn.“ (Eph 6,4).

  • Im Alter sind Eltern auf ihre Kinder mehr oder weniger angewiesen. Sie brauchen Unterstützung. Sie verdienen auch dann Respekt., wenn se schwach und hilflos werden. Wie genau die Hilfe auszusehen hat, sagt die Bibel nicht! Die Rede ist nicht davon, das eigene Leben für die Eltern aufzugeben. Sie sollen ihre Bedeutung haben – diese misst sich aber nicht daran, ob sie im Heim oder direkt von den Kindern betreut werden. Es geht um Hilfe, die alle leben und atmen, die keinen unter der Last zusammen brechen lässt.

Das Ehren trägt Früchte, sogar bis in die nächste Generation. So heisst es bei Jesus Sirach, Kap.3: „Denn der Herr hat den Kindern befohlen, ihren Vater zu ehren, und die Söhne verpflichtet, das Recht ihrer Mutter zu achten. Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden, und wer seine Mutter achtet, gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt. Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den eigenen Kindern, und wenn er betet, wird er Erhörung finden. Wer den Vater achtet, wird lange leben, und wer seiner Mutter Ehre erweist, der erweist sie dem Herrn...“

 St.Gallen, Juli 2018 von Christiane Faschon