Delegiertenversammlung Caritas Schweiz vom 16.Mai 2018 in Luzern

16.Mai 2018, 15.30 h in der Aula / Adligenswilerstr. 15, Luzern

Die Delegierten der ca. 25 Mitgliederorganisationen – mit je zwei Stimmen pro Vereinsmitglied – wurden wie immer durch die Präsidentin von Caritas Schweiz Frau Wallimann-Bornatico und Herrn Direktor H. Fasel persönlich begrüsst.

Der statuarische Teil wurde eher kurz gehalten, da stets Berichte und Infos dazu im Voraus zugestellt werden. Die Versammlung will jedes Jahr Rechenschaft ablegen und Fragen stellen zur Marschrichtung der Caritasarbeit.

Direktor H. Fasel stellt fest, dass im Allgemeinen von Caritas viel Flexibilität gefordert wird.

Die Strategieelemente 2017/2020 werden wie vorgesehen umgesetzt. Die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Arbeit muss noch vertieft werden. Es gibt immer auch andere Anbieter, die sich um Einsatzbereiche und Aufträge bewerben. Im Bereich der Rechtsberatung z.B. hat Caritas Schweiz in der Westschweiz Terrain gewonnen.

Unternehmens-Strategieelemente 2020 der Caritas Schweiz sind:

  1. Unsere Betriebskultur ist unternehmerisch geprägt.

  2. Wir intensivieren unsere interne Zusammenarbeit.

  3. Kommunikation und Marketing haben eine Schlüsselrolle.

  4. „Allgemeine Mittel“ und Programmbeitrag der DEZA haben Multiplikatoreffekt.

  5. Wir schaffen Voraussetzungen für Kooperation.

  6. Wir reduzieren die Anzahl Länder mit Entwicklungsprogrammen (mind. 2 Mio.) und konzentrieren die Länderportfolios.

  7. Wir konzentrieren die Humanitäre Hilfe in einer einzigen Betriebseinheit.

  8. Wir verstärken unsere Interessenvertretung.

  9. Wir verstärken unsere Führungsrolle im Themenbereich Armut in der Schweiz.

  10. Wir wollen im Asyl- und Flüchtlingsbereich verlorenes Terrain zurückgewinnen.

Beachtlich ist auch die Wirkung der ausgearbeiteten Positionspapiere zu Armut, Migration, Klimawandel.

Caritas Schweiz will führendes Hilfswerk und thematischer Lead sein in der Bekämpfung von Armut.
Sie will sich mit jährlich Fr. 120 Mio. engagieren.

Die statuarischen Geschäfte wurden diskussionslos durchgewinkt. Der Aufwand für die Leistungserbringung betrug pro 2017 Fr. 106‘725‘662!
Die DV war auch der Ort, allen Mitarbeitenden vielseitigen Dank auszusprechen.

Thematischer Teil: Klimawandel – eine vielfältige Herausforderung

1 Die politische Grundlagenarbeit von Caritas (Marianne Hochuli):

Der Umgang mit dem Klimawandel ist eine Frage der Gerechtigkeit; würden alle
Menschen so leben wie wir, bräuchte es drei Planeten. Fluchtursache Nr. 1 sind Naturkatastrophen und Umweltschäden. Das Klima wird zur Verteilfrage auf der Welt. Wir müssen uns dem stellen, was wir zu viel verbrauchen.
Am neuen Klima sind Menschen zu 98% schuldig. Der Alpenraum hat 2 Grad Erwärmung schon erreicht. Die Schweiz muss mehr tun für Klimaflüchtlinge, Caritas Schweiz positioniert sich entsprechend. Die Schweiz als kleines Land kann Wissen über die Klimaentwicklung beitragen.

Die Folgen des Klimawandels machen Gerechtigkeitsfragen deutlich:
- Ärmste sind betroffen,
- die Entwicklungsländer haben die grösste Anzahl Flüchtlinge,
- wir tragen viel bei an die schädliche globale Erwärmung.

Migration ist oft das Ende einer Handlungskette.
Suchen z.B. nach andern Bewässerungsmethoden (Wassernotstand in Iran), Datengrundlagen verbessern, Anpassungen an veränderte Finanzierungslage fordern uns neu heraus. Einerseits zwischen Verhinderung von Schäden, andererseits mit Adaption ans neue Klima, wie man damit leben kann.

2 Das Beispiel der Katastrophenhilfe Schweiz (Silvano Allenbach):

Bergsturz/Schlammlawine am 23.8.2017 im Bondo: 60 Mio. Fr. Schaden. Viel Zerstörung, Leid und Schmerz sind entstanden. 150 Personen mussten wegziehen.

In Zusammenarbeit mit der Glückskette, örtlichen Vertretern, dem SRK und einer Spendenkommission setzte sich Caritas Schweiz ein. Die finanzielle Unterstützung diente der Entlastung von Härtefällen  für Private, Landwirtschaftsbetriebe und KMU’s und finanzschwachen Gemeinden. Caritas Schweiz leistete 1 Mio. Soforthilfe; die Spendenkommission hatte die schwierige Aufgabe, den Einsatz der Gelder zu koordinieren, subsidiär, transparent und verhältnismässig einzusetzen.

Ursachen und Ausblick: Eine Kombination verschiedener Faktoren führte zur seltenen Verkettung und Auslösung des riesigen Schuttstromes. Experten klären ob, inwiefern  dies eine Folge des Klimawandels ist. Neue Bewegungen am Berg sind im Gange und unter Beobachtung.

Die Schweiz setzt die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 zu wenig gut um. Die CO2-Bilanz in der Schweiz wird durch unsern umfangreichen Güterimport und Konsum angeheizt. Klimaflüchtlinge werden hier nicht anerkannt; sehr oft stammen sie aus „verletzlichen“ Staaten.

Darum sollen die Anstrengungen gegen den Klimawandel verstärkt werden,
                sollen wir für die Verschmutzungen zahlen,
                die Klimaflucht eindämmen helfen,
                einen neuen Flüchtlingsstatus anbieten.
Reflexionen, Analysen sind nötig; es braucht neue Formen und Gremien der Zusammenarbeit.

3 Das Beispiel Tadschikistan (Nicole Stolz):

Heute komme der Regen nicht wie früher, sagen die Menschen. Es ist nicht nur die Umwelt, auch die Menschen leiden, welche in grosser Unsicherheit in die Zukunft schauen. In den Städten ist der Temperaturanstieg aufgrund des Klimawandels ebenfalls sehr spürbar, braucht es doch nur noch paar Grad bis zur Hitzeschwelle.
Caritas Schweiz hilft den Landwirten verschiedene Weizensorten zu pflanzen, gibt Einkaufshilfen, empfiehlt Hecken und Bäume zu pflanzen (Walnussbäume).
Die Regenfälle sind sehr unregelmässig, es kommt manchmal viel aufs Mal dann wieder lange keiner.
Caritas hilft darum Dämme und Teiche zu bauen, Weiden für Tiere anzulegen und für eine bessere Energieversorgung z.B. effizientere Öfen zu bauen und zu benützen.
Den Bauern sollen saisonale Vorsorgemöglichkeiten zugänglich gemacht werden.

Für den Bericht:
Eggersriet, 22.6.2018 / Martha Daugaard