Aktuelles im Oktober 2019

Maria die Starke

Im Mai und Oktober wird, gefeiert. Sie wird meist lieblich dargestellt, zusammen mit dem Engel Gabriel oder dem Kind, oder dann in tiefem Schmerz beim Tod ihres Sohnes. Allerdings verschwindet sie oft hinter all den Bildern, Legenden, Liedern und Statuen.

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Wir wissen eigentlich aus der Bibel nicht sehr viel über sie: Dass sie vom Heiligen Geist ein Kind bekam, mit Josef verheiratet war, ein einfaches Leben führte in einer schwierigen Zeit voll Gewalt. Wunder werden nicht von ihr berichtet, auch keine grossen theologischen Diskurse. Sie ist Gott nah und bewegt die Worte des Engels in ihrem Herzen, sie betrachtet und meditiert sie.  

Maria wird aber ein wunderbares Gebet zugeschrieben, das so genannte Magnificat Lukas 1,46. Sie preist Gott und seine Kraft und Stärke. Und dann fallen harte Worte: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“  

Die Kleinen und Ausgestossenen sind Gott nah. Die Mächtigen werden entmachtet, vom Thron gestossen werden, betet Maria. (Ob das den Kirchenoberen manchmal auch nahe geht?) Wer Hunger hat nach Brot und/oder Gerechtigkeit wird beschenkt, Gott füllt die leeren Hände und leeren Herzen. Hier spricht eine starke Frau starke Worte.

Schwester der Menschen am Rand

Sie steht neben allen, die sich für die Ausgegrenzten und Armen einsetzen. Sie ist ihre Schwester, unterstützt und ermutigt sie. Maria sagt ihnen klar zu, dass sie sich im Sinne Gottes engagieren. Wer Kranke und alte Menschen besucht, sich für Obdachlose einsetzt, Migranten und Migrantinnen beisteht. Wer Menschen in Not den Tisch deckt und sich für ihre Würde einsetzt – er hat Maria zur Seite. Jenseits aller frommen erhabenen Lieder! 

Und etwas Wichtiges geht auch gern vergessen: Maria und Josef haben einen wunderbar emphatischen Sohn erzogen, Jesus. Ihr Familienleben hat ihn geprägt, ihm den Vater im Himmel nahe gebracht, aber auch die Randständigen, Fremden, die Ausländer, Kinder und Frauen.  

Wäre das nicht ein schönes Gebet für Oktober? Meine Seele preist die Grösse des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.

 

St. Gallen, Ende September 2019 von Christiane Faschon

Delegiertenversammlung Caritas Schweiz vom Mittwoch 15. Mai 2019 in Luzern

I)                    Statuarischer Teil

Nach der  freundlichen Begrüssung führte die Präsidentin Frau Wallimann zügig durch die DV. Wie immer hatte der Anlass informativen Charakter. Die behandelten Geschäfte wurden widerspruchslos durchgewinkt.
Der erste Schwerpunkt der Versammlung bildete
der Jahresbericht 2018 des Direktors Hugo Fasel:
Aufs Ganze gesehen ist Caritas Schweiz

  • mit der Strategie 2020 gut auf Kurs,

  • hat als Grundlage gesunde Finanzen,

  • hat eine Führungsrolle im Bereich Armut,

  • konnte vom SEM einen Grossauftrag „Rechtsberatung“ erhalten,

  • ist daran „Symplify our Caritas“.

Im Bereich Politik markiert Caritas Schweiz lebhafte Präsenz in Bundesbern mit verschiedenen Interventionen. Hilfe bei Projekten ist wichtig, aber auch die Ursachenbekämpfung von Armut/ Hunger/ Migration und damit verbunden kompetente politische Arbeit, um Rahmenbedingungen in der Gesellschaft mitzugestalten.
Die Grundlagenarbeit zu relevanten Themen und die Ausarbeitung von Positionspapieren ist eine Spezialität von Caritas Schweiz. Sie ist die einzige Organisation, welche entwicklungspolitische Grundlagenarbeit leistet. Sie ist auch das einzige Hilfswerk, welches noch eine Pressekonferenz gibt.
Im Bereich internationale Zusammenarbeit ist Caritas aktiv vor Ort an den Brennpunkten der Welt in Not  (Mali, Kenia, Brasilien, Bolivien, Venezuela, Schulen in Tibet, Syrien und Libanon, Bangladesch). Die Folgen des Klimawandels bringen weltweit immer mehr Menschen in existenzielle Not, weshalb Klimaschutz und Armutsbekämpfung untrennbar zusammen gehören. Die Folgen des Klimawandels, von Naturkatastrophen und Umweltschäden stehen seit Jahren bei den  Fluchtursachen an erster Stelle. Es ist Caritas 2018 gelungen, im Bereich „Klima“ mit Uno-Organisationen einen Rahmenvertrag abzuschliessen für eine wirksamere Arbeit am Ort. Klimaflüchtlinge werden auch im Asylrecht der Schweiz noch nicht als solche anerkannt. Vergangenes Jahr unterstützte Caritas Schweiz rund 24’000 Menschen dabei, sich für ihre Existenzsicherung den Folgen des Klimawandels anzupassen.

Heutzutage fallen den Hilfswerken mögliche Einsatzprojekte nicht einfach mehr zu, man muss sich dafür bewerben. Da prüft die EU immer auch die Reserven eines Hilfswerks. Caritas akzeptiert dabei internationale Standards. Jede international tätige Landesgesellschaft muss für Einsatzprojekte
mind. 2 Mio. investieren können für ihre Niederlassung, das Arbeitsvolumen und den andauernden Einsatz der Mitwirkenden.

Weitere wichtige Arbeitsbereiche der Caritas sind die bekannte Katastrophenhilfe, Fachberatung/Schuldenberatung, Kommunikation und Marketing, nationale und internationale Führungsausbildung und Personalführung, Finanzen und Administration. (Auf diese wird hier nicht näher eingegangen.) 

Ergänzungswahlen: In den Vorstand gewählt wurden Andreas Brun-Federer von Winznau als Vertreter des Bistums Basel, sowie Hans-Jörg Ruppen von Gampel und Dr. Benno Schnüriger als Vorstandsmitglieder ohne Mandat.

II)                  Thematischer Teil:

Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld: Herausforderungen für die Caritas

Präsentation: Martin Flügel und Chantal Cornaz

Präsentation: Martin Flügel und Chantal Cornaz

Es wird eine neue Strategie2025 erarbeitet aufgrund einer Umfeldanalyse und neuer Herausforderungen mit dem Ziel Armut zu verhindern, zu bekämpfen, zu lindern mit konkretem gesellschaftspolitischem Engagement.

Chancen: Die wesentlichen Arbeitsbereiche von Caritas Schweiz sind topaktuell und spielen im In- und Ausland eine grosse Rolle. Daher kann sich Caritas Schweiz auf dem Markt der Bewerbungen bei Mehrausschreibungen gut positionieren.
Die Hilfswerke-Landschaft und der Spendenmarkt  verändern sich  laufend. Caritas ist darum aktiv geworden im Engagement um Legate. (Eltern haben heute weniger Kinder und können darum testamentarisch z.B. auch ein Legat  zu Gunsten der Caritas vorsehen.)
Die politische Grosswetterlage mit den Parteien hat zu neuen, gewechselten Mehrheiten geführt.
Die fortschreitende Individualisierung in der Gesellschaft erfordert neue Wertdiskussionen. Ältere/bisherige wertstiftende Organisationen verlieren an Bedeutung, neue sind gefragt.
Das Engagement vor allem der jungen Generation fürs Klima, die Freiwilligenarbeit vieler älterer Menschen und das politische Engagement nehmen zu.
Die wachsende Digitalisierung bringt neue Chancen, neue Dienstleistungen, neue Mittel, ruft nach Effizienzsteigerung und der Entwicklung neuer Instrumente.

 
Risiken:

  • International sind Populismus und Nationalismus im Aufwind und stellen christliche Grundwerte z.B. die Solidarität in Frage.

  • Die Entwicklungszusammenarbeit ist für Jüngere nicht mehr so bedeutsam wie früher.

  • Im Umbruch der Medienlandschaft sind neue Medien im Gebrauch; es sind grosse Anstrengungen nötig, um mit ihnen neue Wege zu den Menschen zu finden.

  • Das Tempo aller Veränderungen erzeugt einen Anpassungsdruck.

  • Die Marke „christliches Hilfswerk“  ist in Bedrängnis geraten:

  • Image und Ruf leiden wegen Skandalen innerhalb von Hilfswerken.

  • Auch die grossen, weltweiten Skandale der kath. Kirche beeinträchtigen die Spenden.

  • Es gibt eine allgemeine Tendenz für weniger Goodwill zu Hilfswerken.

  • Medien hinterfragen die Arbeit der Caritas kritisch, manchmal einseitig.

 
Finanzen: Sie werden bewegt durch viele Faktoren:

  • Der Einbruch der Finanzmärkte und Rezessionsereignisse drücken auf Geldgeber und Projekte.

  • In allen Gremien  ist eine steigende Konkurrenz um finanzielle Mittel feststellbar. Es gibt mehr und neue Konkurrenten als bisher, auch aus dem Ausland zu uns kommend.

  • Viele Spender sind älter.  Wie können Jüngere zum Spenden motiviert werden?

  • Viele Menschen spenden lieber konzentriert für Katastrophenfälle, weniger für die Grundlagenarbeit oder die Entwicklung des ganzen Unternehmens. Aber es gibt doch auch viele Spender, die hören wollen, wie die Caritas denkt; für sie muss sie sich informativ darstellen. Die Kommunikation wurde über Jahre sorgfältig aufgebaut und in den letzten Jahren mit  politischen Elementen ergänzt.

  • Grossaufträge  zu erhalten ist sehr schön; es fällt damit aber auch ein Klumpen-Risiko  an, das beim Wegfall eines grossen Mandates Probleme verursachen kann.

 
Personal:

Es stellen sich Fragen, ob sich genügend kompetente Kandidaten für Mitarbeitende, Leitung usw. auf dem Markt anbieten. Ist auf dem Stellenmarkt genügend Interesse und Identifikation mit dem Caritas-Hilfswerk zu finden? Und wie weit können Lohnansprüche berücksichtigt werden?

Bei Caritas Schweiz ist die christliche Grundhaltung Angelpunkt ihres Engagements für Menschen in Not; ihre Grundsatzerklärung ist der Orientierungspunkt.

Für den Bericht:
Eggersriet, 18.05.2019 / Martha Daugaard

Aktuelles im September 2019

Schweiz: Retraite im Kloster Bigorio/Tessin

Am 27. September, dem Gedenktag des Heiligen Vinzenz von Paul, findet im Kloster eine Retraite statt. Sie
beginnt um 7.30 Uhr mit einer Messe. Nach einer Kaffeepause wird es eine Führung durch die Bibliothek des Klosters geben.

Um 11 Uhr hält Pater Michele zum Thema «Glauben» eine Weiterbildung. Nach der Mahlzeit im Kloster endet der Anlass um 15 Uhr. Dies ist ein besonderer Tag an einem besonderen Ort!

 Zehn Jahre nach der Entstehung des Kapuzinerordens wurde 1535 Bigorio als erstes Kapuzinerkloster der Schweiz gegründet. Bald wurde es zu einem der wichtigsten Klöster der der lombardischen Provinz.
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Das Kloster Bigorio oberhalb des Dorfes Bigorio

Das Kloster Bigorio oberhalb des Dorfes Bigorio

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist es ein Ort religiöser, geistiger und kultureller Bildung sowie ein Seminarhaus für Kurse und Tagungen geworden. …mehr

 Informationen und Anmeldung zum Anlass:
gianfranco.plebani@bluewin.ch,
Tel 079 375 18 64

Frankreich: Hygiene gehört zur Menschenwürde

Eine Studie stellte 2017 fest, dass eines von zehn Mädchen in Grossbritannien sich keine Hygieneprodukte leisten kann. Fast die Hälfte hatte deshalb schon Schul- Unterricht verpasst. Zugang zu Hygieneprodukten ist also die Voraussetzung, um am öffentlichen Leben teilzunehmen!

Im April organisierte daher die Vinzenzkonferenz von Nantes eine grosse Sammlung von Hygieneartikeln in einem Supermarkt. Es war eine Premiere.

Wer nicht genügend dieser Artikel zur Verfügung hat, lebt oft mit Scham. Er/sie leidet unter unangenehmem Geruch und beschmutzten Kleidern. Es kommt zu Hautirritationen bis zu Entzündungen. Und dazu wird es schwierig, sich unbefangen in Gesellschaft zu bewegen. Sammlungen von Hygieneartikeln sind also wichtig!

Mehr als das tägliche Brot

Ende Mai sammelte der Rotary Club von Saint-Raphaël 500 kg Lebensmittel für die Vinzenzkonferenz
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Un don de 500kg de produits alimentaires du Rotary Club Saint-Raphaël (28 mai 2019)

Un don de 500kg de produits alimentaires du Rotary Club Saint-Raphaël (28 mai 2019)

Bedürftige Menschen, die kein Geld für ausreichende und gesunde Nahrung haben, dürfen sich hier bedienen. Dies sind lokal um die 100 Familien, besonders alleinerziehende Mütter und ältere Menschen sowie Pensionäre aus der Umgebung.

Neben den Lebensmitteln werden in Saint-Raphael auch Kleider für Kinder und Erwachsene abgegeben.

 

St. Gallen, Ende August 2019 von Christiane Faschon

VIKO SOLA 2019 zum 43. Mal im WALLIS

Rittinen, 08. August 2019 von H.-Ueli Gubser

Das diesjährige Sommerlager der Akademischen VINZENZKONFERENZ Basel,
kurz VIKO SOLA 19 genannt, findet zum 43. Mal im Wallis statt. Vom Montag, 29. Juli. bis zum Samstag, 10. August, gastieren Kinder zwischen 4 und 15 Jahren sowie Leiterinnen und Leiter wieder einmal in Rittinen bei Grächen. Auf dem Programm stehen zahlreiche Spaziergänge und Wanderungen, Spiele, Basteln. Höhepunkte bilden die zweitägige Wanderung der Grösseren auf die Europahütte, das Baden im Schwimmbad Visp sowie die olympischen Spiele.

Die Akademische Vinzenzkonferenz, die seit über  85 Jahren tätig ist, ist eine Gruppe innerhalb der Schweizerischen Vinzenzgemeinschaft, der ältesten karitativen Organisation der Schweiz, die seit über 150 Jahren besteht.

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Die 20 Kinder verbringen zusammen mit den zehn Leiterinnen und Leitern zwei traumhafte Ferienwochen im pittoresken Wallis. Geleitet wird das Lager von der Präsidentin Sylvia Bach Gyalog, dem Vizepräsidenten Tibor Gyalog und H.-Ueli Gubser, dem Ehrenpräsidenten der Schweizerischen Vinzenzgemeinschaft.

1962 wurde das erste VIKO SOLA im Wallis in Saas-Balen durchgeführt.

Aktuelles im August 2019

Das Wohl der Schwachen ist Stärke

Am 1. August wird wieder die Schweiz mit Fahnen, patriotischen Reden, Lampionen und Feuern, vielleicht auch Feuerwerk gefeiert. Es ist gut, sich dabei die Schweizer Verfassung zu vergegenwärtigen. Dort heisst es in der Präambel: «...und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen». Oder Artikel 12, Recht auf Hilfe in Notlagen: «Wer in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, hat Anspruch auf Hilfe und Betreuung und auf die Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind».

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Die Definition von menschenwürdig ist in der Schweiz in den letzten Jahren ins Rutschen geraten. Die IV und die Sozialhilfe stehen massiv unter Druck. Das Recht auf menschenwürdige Hilfe wird immer mehr in Frage gestellt.

Gut zwei Monate nach dem 1. August  wird das Schweizer Parlament neu gewählt. Darum ist es gut, sich gerade am Nationalfeiertag Gedanken zu machen: Welche Parteien, welche Parlamentarierinnen und Parlamentarier wollen wir wählen? Dies durchaus mit dem Blick auf die Werte der Vinzenzkonferenzen.

Gegen Ausbeutung

1833 gründete Frédéric Ozanam mit anderen Studenten bei Paris die erste Vinzenzgemeinschaft. Anlass war die grosse Armut der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Stadt. Ozanam wies entschieden auf die Verantwortung der Christen und Christinnen für die Schwachen dieser Welt hin.

So interpretierte er die Nächstenliebe angesichts dieser Situation auch auf sozialer und politischer Ebene: «Die Frage, die die Menschen in unserer Zeit teilt», sagte er, «ist keine Frage der politischen Formen, sondern eine soziale Frage: Es geht darum, ob der Geist des Egoismus oder der Geist der Aufopferung den Sieg davontragen wird, ob die Gesellschaft nur eine riesige Ausbeutung zugunsten der Stärksten oder die Aufopferung eines jeden im Dienste von allen sein wird».

Das passt sehr gut, zu der Einleitung der Schweizer Verfassung, dass die Stärke des Volkes sich am Wohl der Schwachen misst. Schauen Sie vor der Wahl, welche Werte jemand vertritt, der Sie im Parlament vertreten will. Ist ihr oder ihm der Einsatz für die Schwachen wichtig – oder nur die Steuerminimierung bei hohen Einkommen und die Kürzungen im sozialen Bereich? Wie steht es mit der Menschenwürde der Schwachen- und der Stärke des Volkes?

St. Gallen, Ende Juli 2019 von Christiane Faschon