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Jubiläumsfeier vom 30. Mai 2010 zum 350. Jahrestag des hl. Vinzenz von Paul und der hl. Louise von Marillac in Bürgeln/Bourguillon, Freiburg PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Erwin Jutzet   
Mittwoch, 30. Juni 2010 um 14:04 Uhr

 

Jubiläumsfeier vom 30. Mai 2010 zum 350. Todestag des hl. Vinzenz von Paul und der hl. Louise von Marillac in Bürglen/Bourguillon, Freiburg

 

Auszug aus der Festansprache des Staatsrates Erwin Jutzet an der vom Zentralrat der Freiburgischen Vinzenzkonferenzen organisierten Feier.

 

„ Es ist beeindruckend zu sehen, wie das Erbe des hl. Vinzenz von Paul heute noch lebt, nachwirkt und gelebt wird. Nachdem Frédéric Ozanam 1833 in Paris die erste Vinzenzkonferenz - oder VIKO - gründete, konnte sich die Bewegung in zahlreichen Ländern ausbreiten. In der ganzen Welt sind heute über eine Million Vinzentinerinnen und Vinzentiner, das heisst engagierte Christen und Christinnen in Zehntausenden von Konferenzen im Dienste der Armen, der Ausgesteuerten und der Ausgestossenen karitativ tägig. Heute zählt die vinzentinische Familie in der Schweiz über 1000 Mitglieder in rund 130 VIKO's. Freiburg ist hier wiederum besonders aktiv. 30 Konferenzen oder Vinzenzvereine sind tätig und 16 davon im deutschsprachigen Kantonsteil.

 

Das Gesicht der Armut hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Materielle Armut gibt es zwar immer noch in der Schweiz, aber es muss im Prinzip niemand mehr verhungern oder an Krankheiten sterben, die heute sehr gut heilbar wären. Rein materielle Armut kann mit Sozialleistungen und -hilfe reduziert, wenn auch nie ganz eliminiert werden. Was heute wohl am meisten Weh tut, ist die seelische Armut, die Einsamkeit, die Ausgrenzung, die Verzweiflung. Beide Formen der Armut sind meistens miteinander verbunden. Bereits in der Bibel kommt Armut in allen Variationen vor (z.B. Lazarus). Die Vinzentinerinnen und Vinzentiner leisten eine besonders wertvolle Hilfe von Mensch zu Mensch gegen die Armut, und insbesondere gegen die Vereinsamung. Es geht um ganz konkrete Leistungen, wie jemand zum Arzt begleiten, eine Reparatur durchführen, einen Brief übersetzen oder auch etwas Geld geben. Aber es geht vor allem um Zeit, Zuhören und Aufmerksamkeit, die Menschen in Not geschenkt werden.

 

„ Auf der einen Seite die Macht des Goldes, auf der anderen Seite die (Ohn-) Macht der Verzweiflung", hat Frédéric Ozanam vor über 175 Jahren gesagt. Das sind aktuelle Töne, in unserer Zeit, wo dem goldenen Kalb - oder besser gesagt den goldenen Boni - und den medialen Idolen gehuldigt wird, wo aber Armut nicht sichtbar sein darf. In einer Gesellschaft mit Individualismus, Egoismus, Erfolg und Oberflächlichkeit als Grundwerten, dürfen uns die Armen nicht an die eigene Verletzlichkeit und Vergänglichkeit erinnern. Es dauerte sehr lange, bis sich die Politik für das Thema wirklich interessierte. Erst vor einem Jahr hat der Bundesrat einen Bericht über eine „Gesamtschweizerische Strategie zur Bekämpfung der Armut" verabschiedet. Darin werden erste konkrete Schritte für eine koordinierte Politik gegen Armut und Ausgrenzung skizziert. Eine nationale Armutskonferenz soll in diesem Herbst stattfinden. Dort sollen die Strategie und drei Massnahmen (Förderung der Chancengerechtigkeit in der Bildung, Integration in den Arbeitsmarkt und Bekämpfung der Familienarmut) eingehend diskutiert und der breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden. Verbindliche Ziele müssen definiert werden. Es ist zu hoffen, dass es nicht bei schönen Worten bleiben wird. Die Behörden auf allen Ebenen, die Sozialpartner, die Nichtregierungsorganisationen, wir alle sind gefordert, um gegen die drohende Armutsentwicklung anzukämpfen. Die „Erklärung zur Bekämpfung der Armut in der reichen Schweiz", die von Caritas lanciert wurde, wird auch von der Schweizerischen Vinzenzgemeinschaft mitgetragen. In dieser Dekade sollen die materielle und seelische Not in der Schweiz resolut bekämpft werden. Die Frage der Armut bewegt auch auf internationaler Ebene. So hat die EU das Jahr 2010 als „Europäisches Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" deklariert.

„Si l'oeuvre de Saint de Vincent de Paul a traversé les siècles, s'est étendue dans le monde entier et a survécu jusqu'à notre temps, c'est parce que Saint Vincent, en plus de sa foi et son humanité profondes, était encore un visionnaire et un gestionnaire exceptionnel. Pour lui, la charité ne va pas sans amour, et seul l'amour de celui qui donne pour celui qui reçoit peut vraiment la "faire passer. Mais la charité ne suffit pas; au-delà, il faut aussi la justice (Gerechtigkeit)."

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 30. Juni 2010 um 14:12 Uhr
 
 

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